Die Arbeit des Ernährungsrats

Ziel von Ernährungsräten ist die Entwicklung eines nachhaltig gerechten, effektiven und ökologischen Ernährungssystems in der Stadt.

… damit Köln besonders is(s)t !

In 2 Sätzen:
Ein Ernährungsrat ist ein beratendes Gremium, das eng mit der Kölner Stadtverwaltung zusammenarbeitet. In Ausschüssen zu verschiedenen stadtrelevanten Ernährungsthemen erarbeiten Experten und engagierte Bürger Programme und Projekte, die jedem einzelnen Kölner eine gesunde und nachhaltige Ernährung ermöglichen sollen.

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In 2 Minuten:
Bisher wurde Ernährungspolitik in Deutschland vor allem  auf Bundes-, Landes- oder EU-Ebene gemacht — Ernährungsräte wollen die Ernährungspolitik zurück in die Regionen holen, auf die kommunale Ebene.

„Ziel der meisten Ernährungsräte ist die Entwicklung eines nachhaltig gerechten, effektiven und ökologischen Ernährungssystems in der Stadt.“ (Philipp Stierand) Sie forcieren also einen aktiven Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Erzeugern, Vertrieben und dem Verbraucher um so langfristig und nachhaltig die Strukturen einer regionalen Lebensmittelversorgung zu stärken.

Ziel ist es, eine Ernährungsstrategie für die Stadt Köln auszuarbeiten, die es allen Kölner Bürgerinnen und Bürgern erlaubt, sich gesund und regional zu ernähren und gleichzeitig die bäuerliche Landwirtschaft im Umland erhält. Es werden jedoch auch konkrete Projekte in einer engen Kooperation mit der Stadtverwaltung und den Landesministerien angestoßen.

So soll Köln schließlich Modellregion für eine lokale, auf Nachhaltigkeit und Regionalität fokussierte Ernährungspolitik werden, von deren Erfahrung andere Städte des Landes und Bundes profitieren können.


Im Detail:
Was ist ein Ernährungsrat?
Ein Ernährungsrat formuliert Ziele für eine lokale Ernährungspolitik und berät die jeweilige Kommune in allen relevanten Fragen. Damit sollen die Stadt und die Region wieder Kontrolle über die Gestaltung ihres eigenen Ernährungssystems zurückerhalten.

Food Policy Councils sind ein Phänomen des angelsächsischen Raums und weit verbreitet in Nordamerika und Großbritannien – dort bestehen aktuell mehr als 260 Räte! Der erste Ernährungsrat der Welt etablierte sich 1982 in Knoxville (USA). In Köln stieß der gemeinnützige Verein Taste of Heimat e.V. am 19. März 2015 in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt der Stadt Köln bei einem ersten Netzwerk- und Kennenlerntreffen die Gründung des ersten Ernährungsrat Deutschlands an.

Warum brauchen wir einen Ernährungsrat?
Durch die Internationalisierung des Lebensmittelmarktes werden Entscheidungen über unser Essen immer weiter weg gefällt. Wir möchten wieder mitentscheiden, woher unser Essen kommt und wie es produziert wird. Ziel ist ein nachhaltig gerechtes, effektives und ökologisches Ernährungssystem, in dem die Wertschöpfung bei den kleinbäuerlichen Betrieben und dem verarbeitenden Handwerk verbleibt. Dadurch wird die ganze Region lebenswerter.

Folgende Ziele wollen wir gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren erreichen:

  • Erarbeitung einer Ernährungsstrategie für die Stadt Köln und ihr Umland.
  • Entwicklung verbindlicher und messbarer Ziele, um die Umsetzung dieser Ernährungsstrategie voranzutreiben (z.B. Anzahl sowie Gesamtfläche der Schul- und Gemeinschaftsgärten, Anteil regionaler Produkte in Großküchen, etc.).
  • Stärkung regionaler Lebensmittelkreisläufe durch die „Ernährungs- und Agrarwende“.
  • Aufklärung und Sensibilisierung der Kölner Bürgerinnen und Bürger jeden Alters.
  • Vernetzung relevanter Akteure zum regelmäßigen Austausch.

Wie funktioniert ein Ernährungsrat?
Um alle ernährungsrelevanten Aspekte abdecken zu können, besteht der 30 Mitglieder umfassende Ernährungsrat für Köln und Umgebung zu je einem Drittel aus:

  •  Zivilgesellschaft, wie beispielsweise Vereine gegen Lebensmittelverschwendung, Initiativen zu Urbanem Gärtnern oder Slow Food, aber auch Experten und Wissenschaftler;
  • Wirtschaft, im Sinne von Lebensmittelproduzenten, Landwirten und Gastronomen;
  • und Verwaltung, besonders die kommunale Ebene, jedoch auch Naturparks und ähnliche öffentliche Einrichtungen.

Diese treffen gemeinsam Entscheidungen, die vom Sprecher des Rates nach außen kommuniziert werden.

Inhaltlichen Input erhält der Rat wiederum von den bereits seit Mitte 2015 tagenden, themenspezifischen Ausschüssen – Arbeitsgruppen, die sich in regelmäßigen Abständen treffen um  inhaltlich folgende Themen zu diskutieren und entsprechende Projekte anzustoßen:

  • Veranstaltungen zum Thema regionale, nachhaltige Ernährung
  • Regionale Direktvermarktung
  • Ernährungsbildung und Schulverpflegung
  • Urbane Landwirtschaft/Essbare Stadt

Der Ernährungsrat hat sich zur Gründung eine Charta, also Leitsätze gegeben, die seine Ziele für Köln und die Region verdeutlichen.

Valentin Thurn überreicht Oberbürgermeisterin Reker die Charta des Ernährungsrates

Valentin Thurn überreicht Oberbürgermeisterin Reker die Charta des Ernährungsrates

Leitsätze des Ernährungsrates für die Metropolregion Köln

Gut für die Kölner

Alle Kölner sollen über das Wissen und die Möglichkeiten verfügen, gesunde, bezahlbare Lebensmittel selbst anzubauen oder zu kaufen, diese zuzubereiten und zu genießen. Sie leben und schätzen ihre vielfältigen Esskulturen und -traditionen und wählen dabei bevorzugt regionale, saisonale, frische, ressourcenschonend produzierte und verarbeitete Lebensmittel.

Gut für Köln und die Region

Gemeinsam unterstützen wir Landwirte, Lebensmittelproduzenten, -händler und Gastronomen dabei, Verantwortung für gute Lebensmittel und unsere Umwelt zu übernehmen und dabei Arbeitsplätze, Wohlstand und wirtschaftliche Vielfalt in der Region zu sichern. Politik und Verwaltung berücksichtigen die Anforderungen einer guten und nachhaltigen Ernährung in allen Politikbereichen. Sie fördern dabei eine regionale und nachhaltige Landwirtschaft, die traditionelle Landschaften bewahrt, die Artenvielfalt sichert und die Lebensqualität in unserer Region für alle steigert.

Gut für die Welt

Die in Köln verbrauchten Lebensmittel werden so produziert, verarbeitet, gehandelt und entsorgt, dass die natürlichen Ressourcen dieser Welt geschützt werden. Die Produktion und der Handel sichern allen beteiligten Landwirten, Verarbeitern und Dienstleistern faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung.